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Autor: jubuc, am 07.07.2015

Wird Bargeld wegen Smartphone-Zahlung abgeschafft?

Das Bargeld wird abgeschafft

Den Eindruck könnte man aus den vielen Meldungen und Artikeln in den letzten Wochen gewinnen. Mich hat niemand befragt. Ich bin mit dem Bargeld ganz zufrieden – nur die 20-Cent- und die 50-Cent-Münzen finde ich zu ähnlich, die 20-Cent- und die 10-Cent-Münzen auch. Aber soll das ein Grund für die Bargeld-Abschaffung sein?

Bargeld und NFC-Smartphone

Eine Alternative zur Barzahlung ist die Zahlung per Smartphone. Wenn man ein geeignetes Smartphone “kontaktlos” an eine geeignete Kasse hält, kann man damit bargeldlos zahlen. Eine geeignete Technik heißt “NFC”, das ist die Abkürzung von “Near Field Communication” und bedeutet “Nahbereichs-Kommunikation”. Zwei Voraussetzungen müssen erfüllt sein: Erstens müssen Kasse und Smartphone mit NFC ausgestattet sein und zweitens müssen Zahlungsempfänger und Smartphone-Zahler sind beim gleichen Zahlungsdienstleister angemeldet sein. Sonst kann der Nahbereichs-Vorgang nicht in eine Geldübertragung umsetzt werden. Benutzt habe ich das noch nie, die Infrastruktur fehlt noch. Vermisst habe ich das auch noch nie. Mein Smartphone hat einen NFC-Chip eingebaut, viele andere auch.

Sichtbares Bargeld oder unsichtbare Chips?

Jetzt schrieb z.B. die Rheinische Post einen Artikel Mobiles Zahlen kommt – Bargeld auf Rückzug und nennt als Beispiele: Fahrkarten kaufen mit dem Handy, Parkscheine per SMS bezahlen, Waschen mit der GiroGo-Karte, Im Parkhaus ohne Bezahlautomat, Schnell ein Auto leihen, Mit dem Handy im Discounter zahlen, Zahlen mit der Apple-Watch, Torte kaufen ohne Bargeld.

Bisher gab es schon viele Zahlungsmethoden, immer mehr kommen dazu. Ein großartiges Angebot? Ein unübersichtlicher Flickenteppich? Wird das Portemonnaie handlicher, wenn ein wachsender Stapel bunter Plastikkarten ein paar Scheine und Münzen ersetzt? Wird das Smartphone mit dem “eingebautem Geld” für Diebe und Cracker noch attraktiver?

Widersprüchliche Interessen zum Bargeld

Wenn mir (und vielleicht auch anderen) die bisherigen Angebote ausreichen – wer hat dann welche Interessen?

Ich habe die Suchmaschine befragt und fand dazu mehr Artikel als ich erwartet hatte. Zwei “Pole”, wer dafür und wer dagegen sein könnte, zeichnen sich ab. Ein paar Beispiele, wenn (extrem gedacht) alles Bargeld durch elektronische Zahlungsverfahren ersetzt würde:

  • Institutionen: Ermittlungsbehörden könnten jede Zahlung verfolgen. Das Finanzministerium könnte Schwarzarbeit verhindern und mehr Steuern einnehmen. Der Einzelhandel könnte Kassenpersonal sparen. Banken könnten mehr Gebühren für elektronische Verfahren einnehmen. Ohne Bargeld hätten Banken und Unternehmen keine Kosten für den mühsamen Umgang mit Bargeld, wie prüfen, sortieren, transportieren, lagern, überwachen.
  • Personen: Der Stern nennt 7 Dinge, die es ohne Bargeld nicht geben würde: Geld von der Oma, Flohmärkte, Sparschweine, Die Zahnfee, Trinkgeld, Jukeboxen, Geldkoffer.

Zusammengefasst: “Institutionen” wollen das Bargeld aus wirtschaftlichen und Ermittlungs-Gründen abschaffen, “Personen” brauchen diese Entwicklung nicht.

“So geht’s: Aldi-Einkauf per NFC bezahlen”

Unter diesem Titel berichtet das Magazin teltarif.de über einen ganz konkreten Ansatz. ALDI Nord hat angekündigt, den NFC-Bezahldienst “mpass” als Alternative anzubieten. Wie das funktioniert, steht in einem weiteren Bericht von teltarif.de Aldi-Nord führt Bezahlung per Handy ein.

ALDI kennt sicher die Vorbehalte mancher Kunden und klärt auf seiner Webseite über “kontaktloses Zahlen” auf:

 Kontaktloses Zahlen
Antworten auf häufig gestellte Fragen finden Sie hier:
Wie wird kontaktlos bezahlt? Ist eine PIN-Eingabe erforderlich? Was benötige ich, um kontaktlos zahlen zu können? Was ist ein NFC-Sticker? Was bedeutet NFC? Welche Smartphones werden unterstützt? Welche kontaktlosen Bezahlkarten werden von ALDI Nord akzeptiert? Welche Wallet-Apps werden unterstützt? Wie sicher ist das kontaktlose Bezahlen? Was ist bei Verlust des Smartphones zu tun?

So noch nicht

Ich glaube, dass Handyzahlung noch eine Weile brauchen wird, um sich gegen die Barzahlung durchzusetzen. Sicher müssen Anbieter solche Bedenken berücksichtigen:

Sicherheits-Bedenken: Kann ein Unberechtigter mein Smartphone kontaktlos (z.B. im Gedränge) leer räumen? Anonymitäts-Bedenken: Meine Frau soll nicht sehen können, dass ich schon wieder Schokolade gekauft habe, und Ermittlungsbehörden geht das schon gar nichts an. Technische Transparenz: Muss ich protokollieren und kontrollieren, wann ich wo wie viel bezahlt habe? Geld-Transparenz: Wieviel habe ich ausgegeben, was bleibt noch übrig?

Die GiroCard (früher: EC-Karte) hat auch lange gebraucht, die Kreditkarte hat es hier immer noch nicht geschafft (bei unterschiedlicher Akzeptanz bei uns und im Ausland).

Wenn ein so großer Anbieter wie ALDI das (sehr vorsichtig) einführt, kann das eine Chance für die “kontaktlose” elektronische Zahlung sein. Ausschließlich ALDI rechtfertigt den Aufwand für die Kunden vermutlich auch nicht. Wie zahle ich auf dem Wochenmarkt oder bei der freien Tankstelle, die nicht im ALDI-System sind?

Ein Anfang ist gemacht, wenn dann so. Aber es bleibt vermutlich ein Generationenprojekt. Machen Sie sich keine Sorgen, wenn Ihr Smartphone NFC noch nicht “kann”. Der Nachfolger wird es können. Und Sie müssen es nicht nutzen, wenn Sie nicht wollen.

Mein Umgang mit Bargeld, trotz vieler Alternativen

Es gab immer wieder Ansätze, Bargeld durch elektronisches Geld zu ersetzen – Telefonkarte, Bargeldchip, Parkkarte und was ich noch alles vergessen habe. Je mehr Zahlungsmethoden angeboten wurden, desto unübersichtlicher wurde es für uns Verbraucher. Ich behalte mit diesem Verhalten brauchbare Übersicht:

  • Bargeld ist für mich Standard bei spontanen kleinen Beträgen, wenn ich an einer Kasse stehe oder mit dem Empfänger zusammen bin.
  • Für etwas größere Beträge an einer Kasse finde ich das elektronische Geld praktisch. Tanken, größere Einkäufe, Hotel etc. zahle ich mit der EC-Karte (“GiroCard”). Die Kreditkarte wird von vielen Verkäufern abgelehnt, dafür müssten sie zusätzliche Gebühren zahlen.
  • Regelmäßige Zahlungen aus laufenden Verträgen leiste ich über Bankeinzug (bei veränderlichen Beträgen) oder Dauerauftrag (bei festen Beträgen). Manuelle Überweisungen vermeide ich wegen des Arbeitsaufwands und der deutlich höheren Gebühren.
  • Unregelmäßige Beträge z.B. im Internet zahle ich häufig mit PayPal, selten mit Kreditkarte. Überweisung nach Rechnungseingang wird meist nur bei Stammkunden akzeptiert.

Sie erkennen, dass ich nur wenige Zahlungsmethoden nutze, obwohl es viel mehr gibt. Eine Übersicht zu Überweisungen, Lastschrift, PayPal, Kreditkarten, Prepaid Kreditkarten, Guthabenkarten, Geschenkkarten, Telefonrechnung / Carrier Billing, Nachnahme, Onlinebezahldiensten, Bargeldtransfer und anderen Zahlungswegen habe ich im Abschnitt Internet-Zahlungen zusammengefasst, mit speziellen Empfehlungen und Warnungen.

Nachtrag: “Bargeld ist geprägte Freiheit”

Heute, am 07.07.2015, hat die Rheinische Post einen lesenswerten Artikel veröffentlicht:
Bargeld ist Freiheit

Er beginnt mit diesem Absatz: “Verbraucherschützer Klaus Müller warnt in seinem Gastbeitrag vor den Risiken des Vorschlags von NRW-Finanzminister Walter-Borjans, Limits bei Barzahlungen einzuführen. Er nennt sechs Gründe für das Bargeld.”

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