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Autor: jubuc, am 18.05.2015

WhatsApp macht dumm

WhatsApp polarisiert

WhatsApp macht dumm“Erzähl doch mal von der betrügerischen E-Mail neulich”, wurde ich im privaten Kreis aufgefordert. Das tat ich. Ich begründete natürlich auch meinen Verdacht, dass die angegriffene Adresse nur über WhatsApp in den Besitz von Kriminellen gekommen sein kann. Dabei konnte und wollte ich nicht verbergen, dass ich “bekennender WhatsApp-Kritiker” bin. So wie ich es im Beitrag “WhatsApp ist keine Alternative” beschrieben habe.

Ich war nicht besonders überrascht, als die WhatsApp-Nutzer auf die Barrikaden gingen. Deren Argumente in Kurzfassung:

  1. WhatsApp ist kostenlos!
  2. Ich habe nichts zu verbergen!
  3. So ist nun mal unsere Welt!

Sie möchten eben dran glauben, an WhatsApp und besonders an die eigene Entscheidung dafür. Dann sind Internetbetrug, Identitätsdiebstahl, Phishing und Co. (“Cyber-Kriminalität”) wohl nur Erfindung?

Ich hatte keine Chance gegen WhatsApps “virales Marketing”. Wir beendeten das Thema, wir saßen ja gemütlich beim Geburtstagskaffee, nicht im kontroversen Fachgespräch.

Wer hat Recht?

Wenn wir die Zeit gehabt hätten, hätte ich gern über diese Situationen diskutiert: “Ist mir egal, ich habe nichts zu verbergen” – Beispiele zeigen, was mit der Identität passieren kann.

Ein paar Tage später erfuhr ich, dass nach unserer Diskussion eine der “Jubelnutzerinnen” mit ihrem Namen gegoogelt hat, was das Internet über sie weiß. Sie hatte nicht viel gefunden, das interpretierte sie natürlich als Bestätigung ihrer Haltung.

So funktioniert die Weitergabe privater Daten aber nicht. Wenn z.B. Werbung so simpel wäre, könnte sie nicht so erfolgreich das ganze Internet finanzieren. Und Google hat seinen Welterfolg nicht damit erreicht, sein Wissen so simpel und kostenlos abzugeben. Werbung funktioniert über Eigenschaften und Verhaltensweisen: Jeder Nutzer hinterlässt im Internet und auf seinem eigenen Computer “Fingerabdrücke”; z.B. werden sie in “Cookies” gespeichert. Schwer zu verstehen, aber es funktioniert.

Und wenn Werbung das problemlos schafft, schaffen Kriminelle das auch. Kriminelle Energie bringen sie mit. Oft haben sie auch das technische Wissen; und wenn sie es nicht selbst haben, können sie es bei Fachleuten kaufen.

WhatsApp macht dumm

Ich zögere bei der Formulierung “WhatsApp macht dumm”. Denn ich weiß noch nicht, wen WhatsApp dumm macht – die unkritischen Jubelnutzer oder die unbequemen Kritiker? Es muss was mit der Polarisierung zu tun haben, man kann nur dafür oder dagegen sein, wie oft im Leben. Vielleicht sollte ich “WhatsApp macht dumm” durch “WhatsApp macht kompromisslos” ersetzen?

Mit dem vordergründigen Argument von vermeintlich gesparten 10 Cent pro SMS lassen sich Leute “bestechen”, eigene und fremde private Daten herzugeben. Vielleicht sollte ich “WhatsApp macht dumm” durch “WhatsApp macht korrupt” ersetzen? Oder was ist das, wenn jemand für lächerliche 10 Cent die fremde Privatsphäre verkauft? Was er mit der eigenen macht, ist seine Sache.

Es sieht ja so einfach aus, jegliche Kommunikation über WhatsApp laufen zu lassen – auch wenn die Nutzung von E-Mails, Skype, SMS, Telefon nicht komplizierter ist. Vielleicht sollte ich “WhatsApp macht dumm” durch “WhatsApp macht faul” ersetzen? Aber was ist, wenn WhatsApper mit Nicht-WhatsAppern kommunizieren wollen? Verzichten sie dann oder nutzen sie dann die “herkömmlichen” Techniken? Oder versuchen sie, die Nichts-WhatsApper zu “missionieren”?

Mit Scheinvorteilen und Halbwahrheiten erzeugt WhatsApp eine Art “Gruppenzwang”. WhatsApp sorgt dafür, dass seine Nutzer vor lauter Jubeln nicht genug wissen. Obwohl sie es wissen könnten. Vielleicht sollte ich “WhatsApp macht dumm” durch “WhatsApp macht manipulierbar” ersetzen?

Das Internet lebt von den vielen Anbietern, die “alles” vermeintlich kostenlos anbieten – von Produktwerbung bis Pornografie. Nach dem Motto “Wenn du nicht bezahlst, bist du nicht der Kunde, sondern die Ware”. WhatsApp macht es eben ziemlich geschickt. Vielleicht sollte ich “WhatsApp macht dumm” durch “WhatsApp macht geizig” ersetzen? Aber das ist nicht nur WhatsApp, so ist fast das ganze Internet.

Was macht WhatsApp denn nun: kompromisslos, korrupt, faul, manipulierbar, geizig, dumm? Ich will WhatsApp auf gar keinen Fall, und einen anderen Messenger brauche ich auch nicht. Das wird mir immer klarer.

Ich erwarte keine spontane Zustimmung zu meiner WhatsApp-Kritik. Aber ich würde mir wünschen, dass mehr Nutzer prüfen und denken, bevor sie jubeln. Leider gibt es keinen “Führerschein” für’s Internet, der das Denken vorm Jubeln trainiert.

Nur dass es viele sind heißt nicht, dass sie Recht haben

Gedankensplitter: “Milliarden Fliegen können sich nicht irren”. “Ein bisschen schwanger” geht nicht. Der Autofahrer reagiert auf die Verkehrsmeldung zum Geisterfahrer: “Nicht einer kommt mir entgegen, es sind hunderte“. Als der Fensterputzer aus dem 7. Stock des Hochhauses abstürzt und am 2. Stock vorbeifliegt, ruft er einem Kollegen zu: “Bisher ist alles gut gegangen”.

Was das alles mit WhatsApp zu tun hat?


WhatsApp Pro und Kontra

WhatsApp: Was ist das und wofür brauche ich das?
WhatsApp und was es bedeuten kann
WhatsApp wird installiert – Infos im Google Play Store
Infos auf der WhatsApp-Homepage
WhatsApp ist keine Alternative

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