Bei jedem Internet-Seminar erlebe ich Teilnehmer, die mit Internet-Adressen falsch umgehen – Einsteiger und Fortgeschrittene. Sie kennen oft die Adresse (aus früheren Besuchen) und tippen sie in die Suchzeile Ihrer Suchmaschine ein. Warum sie das tun? Diese Antworten hörte ich: “Das mache ich immer so” oder “Da oben steht doch schon was drin” oder “Die Zeile oben sieht so eng und dunkel aus”. Die Browseranbieter fördern das, weil sie ihrerseits Suchmaschinen benutzen und dafür von ihnen gesponsert werden.
Was heute technisch möglich ist
Bei modernen Browsern ist es möglich, Suchbegriffe (keine vollständige Adresse) in die Adress-Zeile einzutippen. Der Browser verhält sich dann wie eine Suchmaschine, er zeigt nicht eine Webseite an, sondern eine Liste mit Suchergebnissen.
Bei Suchmaschinen ist es möglich, in die Suchzeile Adressen einzugeben – als wäre die Adresse ein Suchbegriff. Die Suchmaschine zeigt dann nicht die gewünschte Seite an, sondern eine Liste von Suchergebnissen – unter anderem auch die Adresse der eingegebenen Seite.
Für den oberflächlichen Nutzer macht es also keinen großen Unterschied, wie sie vorgehen. Beide Eingaben (Adress-Zeile und Suchzeile) führen zu einer Liste. Ein Vorteil für die eine oder andere Methode wird so nicht deutlich.
Wenn das so ähnliche Verhaltensweisen und Ergebnisse sind: Was ist daran falsch?

Mehraufwand ist vermeidbar
Wenn der Nutzer die Adresse in die Suchzeile der Suchmaschine eingibt, bekommt er eine ganze Liste statt einer einzelnen Seite. Der Nutzer muss aus dieser Liste seine gewünschte Seite auswählen. Das ist ein Mehraufwand – klein aber überflüssig. Falls er die falsche Zeile wählt, muss er “zurückrudern” und noch einmal wählen – ein weiterer vermeidbarer Mehraufwand, vielleicht verbunden mit einer Irritation.
Wenn der Nutzer den Mehraufwand treiben will, kann er das natürlich tun; es geht ja nur um seine eigene Zeit und vielleicht seinen Durchblick.
Risiken sind vermeidbar
Mir geht es hier aber nicht um den (eher nebensächlichen) Mehraufwand, sondern um ein vermeidbares Risiko. Kriminelle haben dieses Fehlverhalten erkannt und nutzen es für eigene Zwecke. Sie erzeugen Webseiten, die ähnliche Adressen wie die gesuchten Seiten haben und auch ähnlich aussehen.
Vielleicht wollen sie den Eindruck von “www” erzeugen und schreiben das “v” sechs mal. Vielleicht verwenden sie ähnlich klingende Namen wie die Original-Seite. Vielleicht stellen sie den Namen der Originalseite als Subdomain vor eine gefälschte Seite. Vielleicht kopieren sie Original-Logos und verwenden ähnliches Layout und Design wie die vertrauten Seiten. Vielleicht kombinieren sie mehrere Ähnlichkeiten und erzeugen so Glaubwürdigkeit.
Die Ähnlichkeit täuscht. Statt der erwarteten vertrauten Seite kann sich der Nutzer auf der gefälschten Seite mit einem Trojaner infizieren, und/oder er landet auf einer Phishing-Seite.
Dieses Risiko ist vermeidbar, außerdem steht ihm nicht einmal eine Chance gegenüber. Die Vermeidung des Risikos wird sogar noch mit der Vermeidung von Mehraufwand belohnt.
Google muss nicht alles wissen
Die “Datenkrake” Google muss nicht noch mehr von Ihnen wissen. Google erfährt von Ihren Interessen, wenn Sie die Adresse in die Suchzeile eintragen. Wenn Sie die Adresszeile benutzen, geht das an Google vorbei. Googles neue vereinheitlichte AGB versprechen mehr Komfort für die Nutzer, liefern aber nur noch mehr Durchblick durch die gläsernen Bürger.
Das ist ein weiteres Argument, die Suchzeile nur für Suchbegriffe zu benutzen. Noch besser: Nutzen Sie statt Google z.B. Startpage.com, die Ihre IP-Adresse nicht speichert.
Die Regel ist ganz einfach – auch wenn es technisch anders möglich ist: