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Autor: jubuc, am 30.06.2015

Die Kostenlos-Lüge zu WhatsApp

Kostenlos-Lüge oder Halbwahrheit? WhatsApp kostet!

Manche Behauptungen sind zu schön um wahr zu sein. Oft sind sie auch so: Nur schön, nicht wahr. Neue Märkte verlocken dazu, mit Halbwahrheiten auf Kundenfang zu gehen.

Die Presse schrieb z.B. 2010, als WhatsApp erschien: “WhatsApp ist ein Messenger für Smartphones, der die SMS ersetzen kann … Mit WhatsApp kann man .. seinen Kommunikationstrieb ausleben, ohne sich Sorgen über die Kosten zu machen”. Oberflächliche Nutzer vereinfachen das zu “WhatsApp ist kostenlos“. Stimmt das? Ist das eine Halbwahrheit, die der Täuschung dient? Oder eine “Kostenlos-Lüge”? Das möchte ich prüfen.

Bitte vergleichen Sie, ob diese Halbwahrheiten plausibel sind:

1. Hälfte: Behauptung 2. Hälfte: Stimmt das?
Fahren Wer mit dem Taxi fährt, spart das Bus-Ticket Ist Taxifahren deswegen kostenlos?
Chatten WhatsApp erlaubt es, Nachrichten auszutauschen ohne für SMS zahlen zu müssen Ist WhatsApp deswegen kostenlos?

Beim Fahren wird niemand davon ausgehen, dass das Taxi kostenlos ist: “Das weiß man doch”. Zum Chatten klärt WhatsApp die Halbwahrheit der kostenlosen Nutzung nicht auf; WhatsApp-Nutzer möchten die Halbwahrheit gern glauben und tragen sie mit Überzeugung weiter – für mich ist das die Kostenlos-Lüge.

Ich will wissen, was die Nutzung wirklich kostet, egal wer an wen zahlen muss.

Faktencheck 1: Was die App kostet

Auf der Webseite von WhatsApp steht: “Please download the latest version of WhatsApp Messenger and enjoy our service free for 1 year! During, or after free trial period you can purchase service for $0.99 USD/year. If you already paid for the service you will not be asked to pay for it again”. Presse und Anwender verkürzen das: Download der App ist im ersten Jahr kostenlos, ab dem zweiten Jahr kostet sie 0,89€ jährlich.

Richtig ist: Die Kosten für den Download bzw. Kauf der App sind – auch für spätere Jahre – nicht hoch.

WhatsApp hat inzwischen von 800.000 aktiven Nutzern gesprochen, noch mehr Nutzer sind registriert. Das bedeutet mindestens 800.000 Dollar jährlich allein aus dem Verkauf der App.

Sicher sehr viel höher sind die Erlöse aus der Vermarktung der Daten von WhatsAppern und von Nicht-WhatsAppern. Dazu werden keine Zahlen veröffentlicht. Warum wohl? WhatsApp verdient an persönlichen Daten nach dem Motto “Wer im Internet nicht bezahlt, ist nicht der Kunde, sondern die Ware”.

In Wahrheit geht es WhatsApp wohl nicht um den Verkauf der App; die Halbwahrheit dient dazu, noch mehr Nutzer zu gewinnen, um noch mehr private Daten abzugreifen. Eine geschickte Ablenkung mit der “Geiz-ist-geil”-Mentalität.

Faktencheck 2: Was das Mobilfunk-Netz kostet

Auf der Webseite von WhatsApp steht: “WhatsApp Messenger ist eine plattformübergreifende mobile Nachrichten App, die es dir erlaubt Nachrichten auszutauschen ohne für SMS zahlen zu müssen.”

WhatsApp erweckt mit dieser Halbwahrheit den Eindruck kostenlos zu sein – die Kostenlos-Lüge. Um einen aussagefähigen Vergleich zu bekommen, müssen also die Mobilfunk-Gebühren für SMS mit den Mobilfunk-Gebühren für WhatsApp verglichen werden.

Fakt ist: Jede Nutzung des Mobilfunknetzes ist gebührenpflichtig. Die Zahlung erfolgt an den Vertragspartner, von dem die SIM-Karte für das Mobilfunknetz stammt. Davon hat zwar WhatsApp nichts, die Nutzer müssen trotzdem zahlen.

Kostenlos-Lüge zu WhatsApp

SMS ist ein Telefon-Dienst im Sprachtarif. Nur der Absender bezahlt für die Anzahl der gesendeten SMS, entweder per Einzelabrechnung oder pauschal für eine begrenzte Anzahl (im Volumentarif) oder pauschal für eine unbegrenzte Anzahl (bei einer Flatrate). Vom Tarif hängt es also ab, was eine SMS kostet – kostenlose SMS gibt es nicht.

WhatsApp ist ein Internet-Dienst im Datentarif. Im Datentarif wird die Menge der übertragenen Daten abgerechnet; selten per Einzelabrechnung, üblich ist die Pauschalabrechnung für ein begrenztes Volumen (im Volumentarif) oder die Pauschalabrechnung für ein unbegrenztes Volumen (bei einer Flatrate). Vom Tarif hängt es also ab, was die Datenmenge kostet – kostenlose Datenmengen gibt es nicht.

Soweit die Gebühren-Überlegungen. Beim Volumentarif ist auch noch eine Komfort-Auswirkung zu bedenken. Wenn das monatliche Datenvolumen verbraucht ist, wird die Internet-Geschwindigkeit so weit “gedrosselt”, dass das Netz praktisch kaum noch genutzt werden kann. Die Drosselung ist eine wesentliche Komfort-Einschränkung, die den Nutzer u.U. veranlasst, einen teureren Tarif (größeres Volumen oder Flatrate) abzuschließen. Ist das “kostenlos”?

Beim Datentarif gibt es die tarifliche Unterscheidung zwischen Absender und Empfänger nicht. Die beiden kommunizieren nicht direkt miteinander, sondern indirekt über den “Messenger” im Internet. Beide sind im Internet, beide verbrauchen Datenvolumen, Absender und Empfänger zahlen Gebühren für das Datenvolumen an ihre Provider. Dabei ist es den Providern egal, ob das Datenvolumen für Messenger, Videos, Surfen, E-Mails oder was sonst benutzt wird.

Ergebnis: Ohne Kenntnis der verwendeten Tarife ist kein Vergleich möglich. Die “Kostenlos”-Aussage ist falsch. Richtig wären die Aussagen:

  1. Wer den Datentarif nutzt, zahlt nicht für den Sprachtarif, sondern stattdessen für den Datentarif. Zur Kostenlos-Lüge: Der Datentarif ist nicht kostenlos!
  2. WhatsApp mit Multimedia verbraucht viel mehr Volumen als SMS; Drosselung oder Tarife mit mehr Volumen können die Folge sein. Zur Kostenlos-Lüge: Ein “größerer” Tarif ist nicht kostenlos!
  3. Während beim Sprachtarif nur der Absender zahlt, zahlt im Datentarif auch der Empfänger. Zur Kostenlos-Lüge: Wenn beide zahlen, ist das nicht kostenlos!
  4. Eine Gebührenvergleich zwischen SMS und WhatsApp ist nicht generell möglich, sondern nur in Kenntnis der Tarife der Beteiligten. Zur Kostenlos-Lüge: Egal welche Tarife benutzt werden, sie sind nicht kostenlos!

Solche Aussagen wären wahr, aber nicht werbewirksam. WhatsApp bleibt lieber bei der Täuschung mit der Halbwahrheit “Kostenlos”.

Warum glauben alle die Kostenlos-Lüge?

Die “Kostenlos”-Lüge ist vermutlich kein “Versehen”, sondern Absicht. Mit den Enkeltrick-Merkmalen der sozialen Manipulation. Mit der Verstärkung durch persönliche Empfehlung. Hochprofessionell.

Das Erfahrungswissen fehlt. “Man hat” eine Datenflatrate. Das stellt kaum jemand in Frage, weil das schon bei der Anschaffung des Smartphones so empfohlen wird. Das nutzt schließlich dem Verkäufer, und vielen Kunden fällt es nicht auf, weil ihnen die Beschäftigung mit unübersichtlichen Tarifen lästig ist. “Man hat eine Flatrate” bedeutet nicht zwingend “Man braucht eine Flatrate”. Vielleicht kommt man mit etwas Nachdenken und etwas Probieren mit dem Volumenrechner dazu, dass ein viel kleinerer Tarif genügt, dass die Flatrate viel zu teuer ist.

Und wenn man keine Flatrate hat, wenn man den Unterschied zwischen Minutenabrechnung im Sprachtarif und Mengenabrechnung im Datentarif nicht kennt, wenn man nicht weiß, ob man einen Sprach- oder Datentarif hat, wenn man dann lange WhatsApp-Sitzungen mit Minutenabrechnung macht, kommt schon mal die Überraschung bei der Mobilfunkrechnung: “Mein Handy frisst mich auf. Aber an WhatsApp kann es nicht liegen, WhatsApp ist doch kostenlos“. Das Beispiel habe ich nicht erfunden, sondern erlebt.

Die irreführende Halbwahrheit / Kostenlos-Lüge wird gern geglaubt, weil sie z.B. die Kostendiskussion in der Familie oder mit Freunden vereinfacht. Und sie wird nicht ernsthaft in Frage gestellt, weil im Internet vieles vermeintlich “verschenkt” wird.

Nichts wird verschenkt: “Wer im Internet nicht bezahlt, ist nicht der Kunde, sondern die Ware”. Identitäts-Vermarktung. Auch WhatsApp kann sich nicht leisten, seine Geschäftsgrundlage zu verschenken.

Bei den Kosten zählt nicht, was gesagt oder geglaubt wird, sondern was gezahlt wird.

Ich bleibe bei meinen Aussagen:
WhatsApp ist keine Alternative!
und
WhatsApp macht dumm

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