Privatsphäre ist nicht öffentlich

“Privatsphäre” ist der “nicht-öffentliche Bereich, in dem ein Mensch unbehelligt von äußeren Einflüssen sein Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit wahrnimmt”. Privatsphäre ist ein Menschenrecht in allen modernen Demokratien. Das schreibt Wikipedia. “Privatsphäre” klingt ziemlich abstrakt, konkret sind das ganz persönliche Fakten und Gefühle (vielleicht bis zur kleinen “Leiche im Keller”), deren Veröffentlichung persönliche Katastrophen auslösen können.

Es gibt auch eine “ortsabhängige Privatsphäre“. Das ist das Recht, sich ohne systematische Überwachung im öffentlichen Raum zu bewegen, ohne dass “Bewegungsprofile” gebildet werden: Wo war der Beobachtete? Wann war das? Was war da?

Ich übersetze das für mich so: Wer Identitätsmerkmale eines Menschen kennt und benutzt, kann damit unzulässig in dessen Privatsphäre eingreifen.

Sie entscheiden: Wie viel Privatsphäre darf es sein?

Ich will keinen Identitätsmissbrauch: Ich will nicht, dass jemand ein falsches Puzzle von mir bildet, z.B. aus der zufälligen Nähe zu Leuten oder Firmen oder Produkten oder Themen oder Orten oder Zeiten oder Gesinnungen oder aus verstreuten nicht zusammenhängenden Fakten.

Jeder hat das Recht, seine Privatsphäre zu schützen. Die Menschenrechte reichen dafür nicht aus, man selbst muss einiges dafür tun.

Sie können aber auch nicht alle Infos über sich “einsperren”, das würde jegliche Kommunikation verhindern. Sie werden also – abhängig von der persönlichen Situation – die Infos öffnen oder verbergen. Vielleicht wollen Sie manche Infos (die berühmte “Leiche im Keller”) für niemanden zugänglich machen.

“Wer im Internet nicht bezahlt, ist nicht der Kunde, sondern die Ware”.

Viele Internet-Angebote sind “kostenlos”: Die Anbieter erwarten als Gegenleistung kein Geld, sondern Ihre Identität – um sie gewerblich (oder auch mal kriminell) zu verwerten. Bevor Sie Infos hergeben, sollten Sie abwägen: Welche Vorteile werden mir versprochen? Sind es für meinen Bedarf echte oder Schein-Vorteile? Ist die Hergabe von Identität ein angemessener Gegenwert?

Es gibt nicht nur Werbetreibende und Gangster, auch der Staat sammelt bzw. lässt sammeln. Eine direkte Gegenleistung dafür ist oft nicht erkennbar. Mit anderen Zielen und Techniken und flächendeckend, Stichwort “Vorratsdatenspeicherung”.

Google-Chef Eric Schmidt empfahl: “Wenn es etwas gibt, von dem man nicht möchte, dass es die Welt erfährt, dann sollte man es nicht tun.” Gedankenstrich – Er empfiehlt nicht, es zu verbergen, sondern es zu unterlassen. Er ist sicher: Die Welt erfährt es – über Google. An anderer Stelle empfahl er sogar, sich zur Volljährigkeit einen neuen Namen eintragen zu lassen, um ohne Internet-“Jugendsünden” ins erwachsene Leben zu gehen. Was bedeutet das für Sie?

Kinder kneifen beim Versteckspiel die Augen zu, um nicht entdeckt zu werden. Ob das hilft?

Grenzen Sie Ihre Privatsphäre ab, dann werden Sie nicht zur Ware!

Privatsphäre und Identität sind schutzbedürftig

John Emontspool wird zitiert: “Privatsphäre ist wie Sauerstoff – man schätzt sie erst, wenn sie fehlt.” Also müssen wir uns vorbeugend schützen.

Sie sollten davon ausgehen: Was technisch machbar ist, wird gemacht

  • für Werbung und Spam (gewerblich, legal aber lästig),
  • für Entscheidungen potentieller Vertragspartner (fehleranfällig und unkontrollierbar),
  • für Identitätsmissbrauch (kriminell und schädlich),
  • für staatliche Kontrolle (oft maßlos und gegen die Regeln).

Über Werbung kann jeder selbst entscheiden. Gegen die anderen Verwendungen ist man hilflos.

Sicher sind nur die Daten, die Sie nicht herausgeben.

Aber 100% Sicherheit geht nicht, weil man sich auch nicht vollständig abschotten will. Also muss man Kompromisse schließen:

  • Manche Beobachtungen lassen sich nicht abwehren, sie gehören zum Leben.
  • Manche Daten werden unbedacht freiwillig preisgegeben.
  • Manche Daten werden durch attraktive Versprechungen “erkauft”.
  • Manche Daten-Preisgabe kann durch Verzicht auf Vorteile vermieden werden.
  • Ein Restrisiko bleibt immer.

Das sollten Sie wissen, um Ihre Schutz-Maßnahmen einzuleiten.